Geschichte der Philharmonie

Fliegendes Orchester
Bevor Stettin eine eigene Philharmonie erhielt, spielten und übten die Orchestermusikern an den unterschiedlichsten Orten. Die ersten Kammerkonzerte fanden im ehemaligen Kino Bałtyk (Ostsee), einem staatlichen Textilbetrieb und in einem Straßenbahnbetriebshof statt. Anfängliche Versuche, den Sitz mit dem Städtischen Nationalrat (dem heutigen Gebäude der Stadtverwaltung) zu teilen, endeten mit der Überlassung eines „Konzertsaals“ für Veranstaltungen der Staatsmacht. Erst die formelle Gründung der Staatlichen Stettiner Philharmonie verbesserte die komplizierte Situation der Musiker. Dass es am 15. Dezember 1953 dazu kam, ist hauptsächlich den Bemühungen des damaligen Direktors Janusz Cegiełła zu verdanken.

Die Philharmonie gewinnt ihr Publikum
Gegründet auf ministerielle Verordnung und im linken Flügel des durch die Städtische Verwaltung besetzten Gebäudes einquartiert, konnte sich die Philharmonie schließlich weiterentwickeln. Das Ensemble wuchs auf 82 Musiker an, es wurden neue Instrumente wie z.B. ein Klavier der Marke Blüthner angeschafft und im Jahr 1957 wurde die Konzerthalle einer umfassenden Renovierung unterzogen. Die Wände wurden in Nussbaum getäfelt und den damaligen Stand der Technik repräsentierende Leuchtstofflampen eingebaut. Kurz nach der Sanierung übernahm Józef Wiłkomirski – in der Rolle des Direktors und Ersten Dirigenten – die Leitung der Philharmonie . Er sollte zum am längsten amtierenden Direktor der Stettiner Philharmonie werden. Die Philharmonie erhielt zudem ihren Namenspatron, den hervorragenden Komponisten der Jahrhundertwende Mieczyslaw Karłowicz.
Die Philharmonie entwickelte sich nun auch in künstlerischer Hinsicht. Außerordentlicher Beliebtheit erfreuten sich die aufeinanderfolgenden Zyklen der Philharmoniker: Musik des zwanzigsten Jahrhunderts, der Werke von Sergei Rachmaninoff, Schostakowitsch und Mieczyslaw Karłowicz präsentierte, sowie Jazz in der Philharmonie mit Aufführungen unter Beteiligung von Krzysztof Komeda, John Ptaszyn Wróblewski und Wojciech Karolak. Im Jahr 1962 besuchte mit Violetta Villas auf einem der Konzerte der Reihe Triff die Melodie eine ehemalige Schülerin der Staatlichen Musikschule die Stadt. Das Publikum tobte und die Philharmonie wurde von Musikliebhaber belagert.

Transnationale Sprache der Musik
In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden viele für die Institution wertvolle Kontakte etabliert. Viele prominente Solisten aus Frankreich, Israel, Japan, Argentinien und Mexiko besuchten Stettin, unter ihnen auch der polnische Pianist Witold Małcużyński. Zum größten Star der künstlerischen Saison 1970/1971 avancierte jedoch das Rundfunk- und Fernseh-Symphonieorchester Moskau unter der Leitung von Gennady Rożdżestwienski. Dank der Zusammenarbeit des langjährigen Direktors und Dirigenten Stefan Marczyk mit dem Gründer des Akademischen Chores der Technischen Universität Stettin Jan Szyrocki zeichnete sich die Philharmonie im Vergleich zu anderen Klangkörpern durch ein reiches Chorrepertoire aus. In den achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wiederum galt ein wachsendes Interesse der Opernmusik. In der Darbietung der Stettiner Philharmonie wurden Musikliebhabern La Traviata, Macbeth und Nabucco von Giuseppe Verdi zu Gehör gebracht. Im Jahr 1994 wurde das Direktorenamt der Stettiner Philharmonie erstmalig von einer Frau bekleidet. Zu den Erfolgen von Jadwiga Igiel-Sak ist ganz bestimmt die Veröffentlichung des Albums „Berühmte Kaprisen“ zu zählen. Die Aufnahme des Stettiner Orchesters unter der Leitung von Jerzy Salwarowski unter Teilnahme der Solisten Tatiana Szebanowa und Jarosław Drzewiecki wurde für die Auszeichnung Fryderyki '98 in der Kategorie Solomusik nominiert.

Philharmonie des 21. Jahrhunderts
Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts warben die Philharmoniker auf einer Tournee durch Spanien für ihre Einrichtung, während vor Ort ein Komitee für den Bau einer neuen Philharmonie gegründet wurde, an deren Spitze Jadwiga Igiel-Sak stand. Der in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts renovierte Konzertsaal hatte seinen Glanz verloren und die Anzahl der Sitzplätze war unzureichend. Zum Baubeginn des neuen Sitzes führte die Philharmonie dann ihr damaliger Direktor Andrzej Oryl. Das neue Quartier der Philharmonie wurde auf Grundlage eines Entwurfs des katalanischen Architekturbüros Barozzi/Veiga im Jahr 2014 am Ort eines Konzerthauses aus der Vorkriegszeit – an der Kreuzung der Matejko- und Małopolska-Straße – fertiggestellt. Den Umzug der Philharmoniker in das neue Gebäude leitete Dorota Serwa, die im Jahr 2012 den Direktorenposten übernommen hatte. Die größeren Räumlichkeiten erlaubten es dem Team der Philharmonie, an neuen Entwicklungsrichtungen zu arbeiten, auch solchen abseits der Klassiker. Außerdem wurde das Bildungsangebot vergrößert.


Erstellt auf Basis von Archivmaterialien der Stettiner Philharmonie sowie der Publikation „Stettiner Philharmoniker 1948-1998” von Mikołaj Szczęsny (Stettin, 1999).
 
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